Drama und Doppelsiege an Tag zwei der DJM in Berlin

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Sollte eines Tages einmal ein Film über die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften Schwimmen (DJM) 2021 gedreht werden, dann würde sich der zweite Wettkampftag ganz sicher in der Kategorie Thriller einsortieren. Gleich zum Auftakt der Finalsession am Mittwoch boten die Wettbewerbe über 200m Lagen fast durchgehend Spannung pur und reihenweise Überraschungen.

In den elf Rennen der weiblichen und männlichen Jugend war am Ende gleich siebenmal nicht der oder die Vorlaufbeste am schnellsten – bei den Frauen konnte sich mit Lisa-Marie Finger (2005/SG Neukölln Berlin) sogar nur ein einziges Mal die Favoritin durchsetzen, dort dann allerdings in 2:17,71 Minuten recht souverän. Mit dem denkbar knappsten Ausgang ging dagegen das Finale im 2007er Jahrgang zu Ende, das Zara Selimovic (SG Dortmund/2:20,12) mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung vor Noelle Benkler (SC Regensburg/2:20,13) für sich entschied. Bei den 17-Jährigen musste sich die Vorlaufschnellste Nele Schulze (TSB Flensburg/2:19,34) – am Vortag noch zweifach erfolgreich – als Vierte ebenso geschlagen geben wie Titelverteidigerin Lara Seifert (SC Chemnitz/2:18,44) als Zweite, dort siegte Kellie Messel (SV Nikar Heidelberg) in 2:17,68.

Bei den Männern konnte Finn Wendland (2005/SG RethenSarstedt) sein Titelkonto bei dieser DJM weiter aufstocken – sein Erfolg über die 200m Lagen in 2:07,55 war bereits seine dritte Goldmedaille bei diesen Meisterschaften. Ebenso viele Siege haben nun auch David Cicero (2008/SC Regensburg) und Kiran Winkler (2004/SC Magdeburg). Cicero gewann am Mittwoch erst die 200m Lagen in 2:16,22 und später am Abend über die 100m Rücken in 1:02,53; Winkler triumphierte ebenfalls über Lagenstrecke (2:05,66) sowie über die 200m Freistil (1:52,43). Der Magdeburger hat damit schon jetzt so viele Siege eingefahren wie 2019 bei der gesamten Veranstaltung. „Ich kann sehr zufrieden sein“, sagte er, „nach dem Höhentrainingslager hätte ich das nicht erwartet.“

Leonie Märtens schnappt sich auf den letzten Metern ihr zweites Gold

Auch eine Prise Drama bekam das Publikum in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark geboten. Über 100m Rücken schlug Vincent Passek (2006/Berliner TSC) nach 57,04 Sekunden als Erster an, es wäre ein neuer deutscher Altersklassenrekord gewesen. Kurz darauf wurde er jedoch disqualifiziert, weil er nach dem Start länger als die erlaubten 15 Meter getaucht war. Gold ging so an den Leipziger Sascha Macht (59,12), der kurz zuvor auch schon die 200m Lagen (2:06,97) gewonnen hatte.

Mit Klara Sophie Beierling (2007/SG Berliner Wasserratten) über 100m Freistil (1:04,70), Sean-Paul Chaffee (2003/Potsdamer SV) über 200m Lagen (2:05,84) sowie dem Bad Schwartauer Silas Beth (2003/1:50,09), der Magdeburgerin Leonie Märtens (2004/2:01,10) und dem Wiesbadener Diego Alfons Heinze (2007/1:57,13) jeweils über 200m Freistil waren fünf weitere Athlet*innen bereits zum zweiten Mal erfolgreich, wobei vor allem die beiden letztgenannten diesmal aber bis zum Anschlag kämpfen mussten. Märtens schob sich erst auf den letzten Metern noch an Chiara Klein (Potsdamer SV/2:01,17) hauchdünn vorbei; Heinze konnte im Endspurt den heranrollenden Limaris Dix (SV Halle Saale/1:57,39) in die Schranken weisen. „Als ich die Konkurrenz habe rankommen sehen, ist mir durch den Kopf gegangen, dass ich versuchen muss schneller zu schwimmen. Ich wollte einfach nicht verlieren“, erklärte er.

Lisa-Marie Finger direkt aus dem Höhentrainingslager zum Sieg

Auch die eingangs schon erwähnte Lisa-Marie Finger war am Mittwoch doppelt erfolgreich. Nach ihrem Sieg über 200m Lagen war sie kurz darauf auch über 200m Freistil nicht zu schlagen und kam nach 2:01,36 Minuten mit fast dreieinhalb Sekunden Vorsprung ins Ziel. „Ich bin einfach nur übertrieben happy, wie gut das hier für mich läuft. Wir sind Sonntagabend aus dem Höhentrainingslager wiedergekommen und ich glaube, das hat mir einfach echt viel gebracht, dass ich hier so gut sein kann“, jubelte sie. „Meine Trainer, meine Mama, alle stehen total hinter mir und ich bin einfach nur froh, dass ich hier dabei sein kann und auch die Leistung abrufen kann.“

Im Sommer war die Berlinerin bereits bei den Europameisterschaften der Junior*innen am Start und stand dort mit den Staffeln gleich in drei Finals. „Ich bin echt happy, dass ich auch so gut durch die Corona-Pandemie gekommen bin. Ich bin froh und offen für Neues und mehr und irgendwann möchte ich bei Olympia dabei sein.“ Also genauso, wie es zwei ihrer Teamkolleg*innen schon vorgemacht haben, von denen Finger im Training immens profitiert. „Mit Leonie Kullmann und Ole Braunschweig zu schwimmen und täglich zu trainieren, ist echt etwas Besonderes. Sie inspirieren mich und ich kann mir da auch so ein paar Sachen abgucken“, erzählte sie.

In den weiteren Finalläufen über 200m Freistil schnappte sich Fiona Anabel Kuphal (2008/SC Wiesbaden 1911) nach zuvor zwei zweiten Plätzen in 2:06,18 den Sieg, und das ebenso souverän wie bei den ein Jahr älteren Mädchen die Dortmunderin Zara Selimovic (2:06,09), der damit ebenfalls das zweite Gold an diesem Tag gelang. Im 2006er-Jahrgang schwamm auf der Außenbahn überraschend Luisa Rumler (SV Grafing-Ebersberg) in 2:04,46 zum Sieg. In der männlichen Jugend war über 100m Rücken noch die Leistung von Cornelius Jahn (2003/Ahrensburger TSV) erwähnenswert, der in 55,96 Sekunden eine starke Zeit hinlegte.

Magdeburg in der Mannschaftswertung weiter in Führung

In der „Team Challenge powered by Aquafeel“ hat der SC Magdeburg seine Führung weiter ausgebaut. Die Elbstädter*innen haben nach zwei Wettkampftagen bereits 300 Punkte auf ihrem Konto und damit beste Aussichten auf den Sieg in der erstmals ausgetragenen Mannschaftswertung. Auf Platz zwei hat sich der Potsdamer SV (158) geschoben, dahinter liegen jetzt die SG Essen (155), der SV Nikar Heidelberg (143) und der SC Chemnitz (122). Nach Abschluss der DJM dürfen sich die fünf Vereine mit der höchsten Punktzahl über Prämien im Gesamtwert von 5.900 Euro vom neuen DSV-Pool-Partner Aquafeel freuen.

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