Hannah Schneider schwimmt bei der DJM aus dem Krankenbett zum Titel

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Es war bisher die Feel-Good-Story der Deutschen Jahrgangsmeisterschaften Schwimmen (DJM) 2021: der Erfolg von Hannah Schneider (Hofheimer SC) über 200m Brust im Jahrgang 2008. Vor zwei Wochen hatte sich die 13-Jährige den großen Zeh gebrochen, noch vor einer Woche war sie davon ausgegangen, dass die Teilnahme für sie ausfällt. Nun schlug sie am Freitag nach 2:41,38 Minuten als Erste an und konnte es selbst kaum fassen. „Einfach nur wow“, jubelte sie. „Ich habe mich gefreut, überhaupt schwimmen zu können. Und dass ich jetzt hier stehen kann und gewonnen habe, das ist unbeschreiblich. Ich habe mir keine Ziele gesetzt, weil ich wusste, dass ich nicht in der besten Form bin. Aber im Endeffekt ging es ziemlich gut. Ich habe die Schmerzen auch wegen des Adrenalins wahrscheinlich einfach ausgeblendet.“

Im Jahrgang 2006 setzte sich auf der 200m-Bruststrecke danach erneut Laura Feldvoss (SC Magdeburg) durch, die zuvor auch schon die 50m und die 100m gewonnen hatte und damit das Triple perfekt machte. Nach 100 Metern war das Feld noch beisammen, doch im Endspurt wies Feldvoss nach 2:36,54 die Heidelbergerin Sophie Lenze (SV Nikar Heidelberg/2:37,24) in die Schranken. Ihre Mutter Kathleen Feldvoss hatte 1988 in Seoul (KOR) unter ihrem Mädchennamen Nord Olympiagold für die DDR geholt, sie war damals allerdings eher auf den Schmetterlings- und Lagenstrecken zu Hause. „Bei uns zu Hause gab es diese Woche kein anderes Thema als die DJM“, berichtete Feldvoss. „Meine Mutter hatte sogar Angst vor dem Livestream, weil sie so aufgeregt war. Aber meine Schwestern und mein Dad, die haben alle zugeschaut.“

Mit Saskia Blasius (2005/TSV Neustadt 1906) gelang bei den ein Jahr älteren Mädchen noch einer weiteren Schwimmerin der Hattrick über die Brustdistanzen, sie gewann die 200m in 2:34,89. Kurz zuvor war über 200m Schmetterling bereits ihre jüngere Schwester Isabel Blasius (2005/TSV Neustadt 1906) in 2:20,54 zum Titel geschwommen. Für Nele Schulze (2004/TSB Flensburg) bedeutete ihr Erfolg über die 200m Brust sogar bereits das vierte Gold bei diesen Meisterschaften – anders als die beiden vorhergenannten hatte sie an den Vortagen allerdings auch einen Kraulsieg eingestreut. Am Freitag setzte sich in 2:30,73 hauchdünn vor Titelverteidigerin Kellie Messel (SV Nikar Heidelberg/2:30,84) durch.

Dritter Altersklassenrekord für Engelien, auch Eichler mit neuer Bestmarke

Bei den Jungs setzte derweil Hugo Engelien (SC Magdeburg) seine beeindruckende Rekordserie fort. Über 200m Brust schwamm der 13-Jährige schon im Vorlauf 2:25,57 Minuten und blieb damit um 1,6 Sekunden unter seinem eigenen Altersklassenrekord. Im Finale konnte er die Bestmarke dann um eine weitere halbe Sekunde auf 2:25,06 verbessern. Sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten betrug am Ende satte fünf Sekunden. Im Jahrgang 2007 gewann Subäjr Biltaev (SV Cannstatt) in 2:25,05, der auch schon über die 50m und die 100m Brust triumphiert hatte. Genau wie 2019 war er damit auch diesmal wieder der König auf den Bruststrecken.

Für den zweiten Altersklassenrekord des Tages sorgte Alexander Eichler (2007/SC Wiesbaden 1911), der die 200m Schmetterling in 2:07,16 absolvierte. Damit gelang ihm ungefährdet die erfolgreiche Titelverteidigung auf dieser Strecke und der zweite Sieg bei diesen Meisterschaften nach dem Erfolg über die halb so lange Schmetterlingsdistanz. „Die DJM dieses Mal lief extrem gut für mich“, meinte er zufrieden. Gleiches gilt natürlich auch für Leo Leverkus (2008/SGR Karlsruhe), für den der Sieg über 200m Schmetterling in 2:14,31 bereits seinen vierten Jahrgangstitel bedeutete.

In der weiblichen Jugend war Yara-Fay Riefstahl (2008/SC Chemnitz) über dieselbe Strecke in 2:22,03 ebenfalls schon zum dritten Mal erfolgreich – und das mit deutlichen fünf Sekunden Vorsprung. Schnellste Schmetterlingsschwimmerin insgesamt war an diesem Tag Lilja Aline Hamann (SG Leipzig) im Jahrgang 2006 mit einer Zeit von 2:16,20.

Dramatik bei den Freistilsprintern

Hochspannung boten die Rennen über 100m Freistil. Bei den Jungen lag in fünf von sechs Fällen der Sieger am Ende weniger als vier Zehntelsekunden vor dem Zweitplatzierten, oft war es sogar noch enger. Am knappsten war der Ausgang im Jahrgang 2006, wo Michael Raje (SSG Saar Max Ritter) in 51,76 Sekunden einen Wimpernschlag vor Jul Levi Strunz (Berliner TSC/51,81) anschlug. Für Raje war es bereits sein dritter DJM-Titel in Berlin, gleiches galt für den Gewinner im jüngsten Jahrgang 2008, Felix Brandner (SG Mittelfranken/55,18). Bei den ein Jahr älteren Freistilschwimmern durfte Limaris Dix (SV Halle Saale) nach 53,23 endlich jubeln, der am Vortag über die Schmetterlingsstrecke noch wegen eines Frühstarts disqualifiziert wurde. Im Vorlauf hatte in dieser Altersklasse Jonas Schneider (TV 1860 Immenstadt) in 55,97 einen neuen Para-Rekord in der Startklasse AB aufgestellt. Der insgesamt schnellste Freistilmann an diesem Abend war Ole Mats Eidam (2003/Potsdamer SV) in der starken Zeit von 49,74.

Auch die Rennen der Mädchen ließen an Dramatik nichts zu wünschen übrig. So siegte bei den 13-Jährigen Fiona Anabel Kuphal (SC Wiesbaden 1911) in 58,63 und damit nur zwölf Hundertstel vor Cleo Hentschke (SG Essen/58,71). „Ich liebe Endspurts. Die zweite Bahn auf den 100 Metern sind eigentlich immer meine Stärke. Ich habe gesehen, es wird ganz schön knapp und ich wollte unbedingt gewinnen. Ich wollte meine dritte Goldmedaille und das setzt bei mir einfach nochmal Energie frei“, sagte Kuphal, die an den Vortagen auch schon über die 200m und 400m Freistil gewonnen hatte. Auch Klara Sophie Beierling (2007/SG Berliner Wasserratten) war in 57,76 bereits zum dritten Mal in dieser Woche siegreich; für Lisa-Marie Finger (2005/SG Neukölln Berlin) war es nach 55,90 sogar schon der vierte Streich. Dieser blieb Leonie Märtens (2004/SC Magdeburg) indes vorerst verwehrt, die sich auf dieser für sie fast schon zu kurzen Strecke in 57,72 diesmal mit Bronze begnügen musste. Deutsche Jahrgangsmeisterin wurde stattdessen Iris Julia Berger (SV Rhenania Köln 1919) in 56,09.

Magdeburg in der Mannschaftswertung weiter klar in Führung

In der „DJM Team Challenge powered by Aquafeel” steuert Märtens‘ Verein dagegen auf einen klaren Sieg zu. Der SC Magdeburg führt in der erstmals ausgetragenen Mannschaftswertung auch nach dem vierten von insgesamt fünf Wettkampftagen mit nunmehr 592 Zählern vor der SG Essen (313) und dem Potsdamer SV (302). Die Top fünf komplettieren aktuell der SV Nikar Heidelberg (296) und der SC Chemnitz (250). Die besten fünf Vereine dürfen sich am Ende der Veranstaltung über Prämien im Gesamtwert von 5.900 Euro vom neuen DSV-Pool-Partner Aquafeel freuen.

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